Spring Break!

29. März 2010

Och nö schon vorbei? Bin wieder in meiner Zeitzone eingeflattert nach einer Woche Karibik im Herz, Sonne auf der Haut und frischem Kokos im Glas – wow. Jetzt hab ich mir eben den neuesten Cumbia reingelegt und schau mal, ob ich diesen wunderbaren Trip durch Yucatán hier überzeugend rüberbringen kann. San Francisco – Miami – Cancún – Playa del Carmen und endlich Cozumel. Die Insel vor der Nordostküste Mexikos war erstes Ziel, besonders, weil uns so viel von den Korallenriffen vorgeschwärmt wurde. Da bei der Unterwasserkamera aber der USB-Anschluss fehlt, müssen die Fotos von der Oberfläche reichen…höhö. Das ist Punta Sur an der Südspitze,wo sich die Schildkröten tummeln. Hingekommen sind wir mit dem Beetle für das authentische Inselabenteuerfeeling. Oij, das war das Beste, was wir machen konnten! Außen schnieke, innen mindestens von 1965. Und wer braucht schon Automatik und Servolenkung, wenn er nen Beifahrer hat, der helfen kann, die Kupplung festzuhalten? Oder das Dach? Oder halt das Fenster – das ist übrigens Bea auf dem Weg nach Playa de San Fancisco. Könnt ihr sehn, wie weiß und weich der Strand ist? Und wie perfekttürkis das Meer? Und dass man da die richtig großen Muscheln findet?Und für die Bildung: Tulum. Die Mayastätte lag wieder auf dem Festland. Dies hier ist der Haupttempel. Wir waren zur Wintersonnenwende da und durften abends die Magie des Ortes bei einem ganz dollen Lichtspektakel bewundern.Und das Beste: Der Strand daneben so gut wie für uns allein. Herzliches Beileid an all diejenigen, die die Woche wie die Sardinen in Cancún verbracht haben. Wir haben im Nichts geschlafen – den Sonnenaufgang über dem Fastdschungelpanorama haben sie verpasst. Valladolid auf dem Weg nach Merida. In den Cenotes kann man auch schwimmen und die Lianen waren ja so einladend! Die Badesachen waren leider sicher im Safe…mmmh verdammt. Wieder in der Zivilisation die hervorragende Bar mit Livemusik an der Plaza Mayor. Sieht ja auch nich anders aus als sonst…oder? Jaaa der Kitsch musste sein. So schnell kanns gehn, der letzte Tag in Chichén Itzá. Und oh meine Backe war das verdammt heiß mitten auf der Halbinsel! Letztes Jahr konnte man noch in die Ruinen hinein. Wäre sehr interessant gewesen; von außen sieht man leider nicht, wie teilweise 6 Tempel übereinandergeschachtelt wurden. Und wie wem gehuldigt wurde. Und überhaupt. So isses halt leider mehr Freilichtbühne. Aber schaut euch an, was bei Sonnenuntergang passiert: Die Schlange am Castilo sieht man nur für 2 Minuten. Noch einmal in Richtung Insel. Da rechts auf dem Bild kann man schon Kuba sehn – ganz klein natürlich… Und nu is schon wieder Alltag hier. Hach…

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pffffffffffft III

17. März 2010

Liebe alle! Die Zeit scheint hier wirklich schnell vorbeigegangen zu sein. Ein bisschen zu schnell, wie ich finde. Aber gut, sie läuft jetzt erst mal wieder langsamer – denn das Licht am Horizont ist endlich näher gekommen und die midterm season is überstanden. Die letzten 2 Wochen lassen sich anschaulich etwa so zusammenfassen: 3 Tests, 3 comparative essays, 2 midterm paper, 1000+ Seiten, 1 Klausur, 1 mündliche Prüfung – Stunden Schlaf pro Nacht strebten gegen 0, Stress auf ner schönen Parabel immer aufwärts. Herrjee, was für ne Dürrezeit. Und was fürn Tunnelblick.

Aber was soll ich sagen, nach dem letzten Semester Nichtstun ist das auch mal wieder nötig gewesen. Ich habe (genau JETZT schwirrt vorm Fenster ein Kolibri!…) auch irgendwie das Gefühl, meine Freizeit mehr zu genießen. Ich war zum Beispiel letztes Wochenende bei nem NBA Spiel. San Francisco Warriors vs. Toronto Raptors (ja, die sind Kanadier, ja die sind trotzdem in der NBA). Nun ja – also danach zu urteilen, wie fertig die treuen Fans unter euch immer aus der Arena gekommen sind und die Radioeins-Werbung für Alba im Ohr hatte ich mich auf gepflegtes Herzrasen gefreut. Aber nichts da! Das war so langsam, das hätt ich kommentieren können. Aber gut, gemacht haben wirs und das anschließende Guiness in Oakland hats dann auch wieder rumgerissen. Es ist eigentlich total schade, dass ich nicht öfter dort bin. Die Nachbarstadt hat immer den Ruf, nich mehr so das beste Pflaster zu sein. Früher hatten hier die Black Panthers ihren Ursprung und die legendäre Jazzszene soll sich wohl noch irgendwo finden lassen. Vielleicht kommt das noch in den nächsten Wochen, steht auf jeden Fall auf der to-do-Liste. Wie so vieles andere…

Aber ich hab mir gerade neuen Kaffee geholt und da ist mir eine Sache eingefallen, die ich vielleicht noch erwähnen sollte: Der Highway 1. Jawoll verdammt, Anna ist Auto gefahren! Drei Jahre Abstinenz hin oder her, so schön, wie sich die Straße am Ozean entlanggeschlängelt hat, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Und das Automatikgetriebe hat die ganze Sache auch zu nem Kindergeburtstag gemacht. Und mein Gott war das schön! Ich hatte euch ja schon dezent erzählt, dass der Frühling hier in vollem Gange ist, aber der Tag war nun schon richtig heiß. Also Anna, Martina und Alessandro nen Auto geschnappt und ab in den Norden. Muir Woods, Stinson Beach, Point Reyes und Bodega Bay. Da fällt mir nur eins ein: Hach! Sobald man raus aus der Bucht ist, liegt Kalifornien nur zu schön vor einem. Ganz sanfte grüne Hügel, Sequoiawälder, alles in Blüte, neben uns immer das glitzernde Meer unter den weißen Klippen und ab und zu irgendein niedliches Örtchen dahingegossen in eine Landschaft zu schön, um sie so einfach beschreiben zu können. Irgendein interessanter Mix aus Schottland und Italien. Aber ich glaube, der Eindruck steht jetzt (Wenn nicht, hab ich da ein Buch, das muss ich euch zeigen!).

Und jetzt vom Tagesausflug zum richtigen Urlaub. Spring Break! Ich weiß nicht, was mittlerweile so durchgesickert ist, aber Anna macht nach Mexiko! Jajaja, mancheiner hats heraufbeschworen, aber er sei versichert, dass wir in Cancún nur landen. Danach gehts ab auf nen Rundtrip quer durch Yucatán. Wohin genau steht noch gar nicht fest, das machen wir irgendwie spontan. Was hingegen feststeht ist eine Woche prallster Mädelsurlaub am Atlantik, 30°C im Schatten, Surfbretter (jaaaa!), burritos, cerveza, definitiv ein Sombrero und auf alle Fälle high life. Huuuuuu! Der Spaß beginnt in t-7 Stunden…

Tja und wieder gelandet freu ich mich wahnsinnig darauf, mit Julius und Marie die Lage in San Francisco zu checken. Sieht wohl so aus, als stehe so einiges an auf dieser Seite des Teichs – Fotos sind an dieser Stelle fest versprochen. Jetzt geh ich aber erst mal packen. Und ihr beiden welcome to the hotel california!

Was man so am Valentinstag machen kann

16. Februar 2010

Hier nun das ultimative multimediale Update der Newsplattform aus Kalifornien! Zu sehen ist das, was man hier so am Valentinstag macht, und zwar alle Jahre wieder. Das diesjährige Zusammentreffen wird hiermit festgehalten. Ab gehts:

Robert, mein Mitbewohner übrigens, macht sich bereit. Es sollte sich herausstellen, dass sein großes Kissen praktischer war als meins. Insbesondere war auch seine Lassotechnik zu bewundern. Eine Minute vor sechs – da wars noch friedlich. Anpfiff. Auf einmal action. Jeder gegen jeden, auch groß und stark gegen klein und hilflos. Leider. Aber trotzdem lustich. Das nächste mal auf der Warschauer Straße bitte!Mag das Motto gewesen sein am Embarcadero. Zum Teil wurde es auch durch Stinkbomben betont. Sehr beeindruckend, wenn auf einmal giftgrüner Rauch mitten in der Menge aufsteigt und man selber mitten in der Menge ist. Das, was da assieht wie Schnee, das sind Federn. Und allein dieses Statement macht deutlich, dass es hier Sonntag bedeutend mehr action gab als zu Silvester. War aber vielleicht auch nich schwer, Silvester war dagegen Kindergeburtstag.Der Typ im Vordergrund sieht auch nur so glücklich aus, weil er gerade eine abbekommen hat. Ich hab es beobachtet. Spricht wohl für sich. Das wohl noch mehr.Da gehen gerade 4.000 Leute aufeinander los. Im Angriff gegen die Griechen, Ninjas und Amors. Leider kann man die Guten nich sehn. Aber  sie wurden in die Flucht geschlagen. Und zwar gandios!Dafür hat ers den Gorillas gezeigt. War sehr schön, anzusehn.

comparative blogging

11. Februar 2010

Nachdem ich den heutigen Nachmittag mal ganz lockerlässig verpennt habe, meldet sich bei mir das Bedürfnis, meine Gedanken in die Welt zu schreiben. Inspiriert von Markus´ neuestem Eintrag geschieht das heute mal als Spiegel der Ereignisse der letzten beiden, die sich noch im Auslandsjahr befinden. Auf gehts.

Auch bei mir ist schon wieder der erste Monat im neuen Semester rum und die erste Zwischenprüfung steht Dienstag auf dem Plan. Wie schnell ist das nun wieder gegangen? Mittlerweile steht jetzt mein endgültiger Stundenplan fest. Entgegen dem erasmenfeindlichen Prof sind bei mir allerdings alle ziemlich glücklich, jemanden aus Europa in ihren Kursen zu haben. Da wäre zum Beispiel der Masterkurs über China, in dem ich als Küken in einer Gruppe von sechs Leuten schön intensiv über die Politik und Zukunft des fernen Landes debattiere und der Prof immer glücklich und zufrieden ist über eine etwas andere Perspektive aus Europa. Oder der Kurs über Ethik in den Internationalen Beziehungen, in dem sich das anfängliche „oooh“ über die offensichlich nicht aus Amerika Stammende in „aaah“ verwandelt hat, weil ich Kant im Original gelesen habe. In meinem Italienischkurs ist der Dozent glücklich über ein nicht genuscheltes RR. Nur in dem Seminar über die Konflikte im Mittleren Osten hab ich meine Identität als Deutsche noch nicht gelüftet. Das ist aber vielleicht auch verständlich, wenn es zunächst darum geht, warum der Staat Israel gegründet wurde.

Wenn wir schon beim Studium sind. Das Engagement ist hier wirklich unglaublich. Abgesehen davon, dass ich dieses Semester den Eindruck habe, mir mit meinen Kursen Sinn in die Zeit von 8-6 gebracht zu haben, ist es unglaublch toll, wie sich hier um die Studenten gekümmert wird. Mittlerweile ist mein Mailpostfach voll mit Ideen, Gedankenanstößen und Artikeln der Profs, die machen sich wirklich Gedanken. Mit dem Dozent aus Italienisch twittern wir immer schön. Heute Abend gibts dann auch nen italienischen Filmabend. Und Italienisch ist so toll! Das macht unglaublich Spaß, denn mittlerweile sind wir soweit, dass wir schön über alles Mögliche vor uns hinplappern können. Und dabei hab ich erst letztes Semester angefangen. Bin begeistert.

Weiter mit der Feierkultur. Mittlerweile bin ich ja umgezogen und ich liebe dieses Haus schon alleine deswegen, weil sich hier mit 37 Mitbewohnern regelmäßig Spontanparties veranstalten lassen. Und wenn die mal nicht sind, fährt man halt nach San Francisco. Da war ich am letzten Wochenende zum Beispiel auf Roller Skates tanzen. Zu Siebzigerdisko, ganz famos. Oder diesen Samstag, da ist Kissenschlacht mitten auf Union Square. Oder halt einfach tanzen auf dem Dach, mit Palmen drumherum und dem Spektakulärblick auf die schöne Stadt gegenüber. Was den Rest der Feierei hier angeht dürfte es aber auch nicht anders sein als bei Markus´ Sono Soirée beschrieben. Es ist mir zwar immernoch nicht nachvollziehbar aber immerhin gewohnter Anblick, was passiert, wenn es um den Genuss alkoholischer Getränke the american way geht. Das Volumen-Zeit-Verhältnis geht weit über britische Bräuche hinaus, allerdings können die Inselbewohner die Konsequenzen wahrscheinlich besser einschätzen. Und die haben zumindest auch Gebräu, was man als vernünftiges Bier bezeichnen könnte. Aber egal, Party is Party.

Da fällt mir auch spontan der super bowl am Sonntag ein. Was in Miami um sechs gestartet hat, war für die hiesigen Leute mit Zeitverschiebung die beste Ausrede, schon vor Mittag nen Fass aufzumachen. Nun hatte ich mir die Regeln vorher erklären lassen, damit ich auch weiß, nach welchem System die da rumrennen. Ja gut, Fußball ist trotzdem spannender. Aber was eine Gruppe männlicher Amerikaner veranstaltet, wenn wer Punkte gelandet hat, ist ja überhaupt nichts gegen die Reaktion auf ein Tor bei der Weltmeisterschaft. Nichts. Überhaupt nichts.

Punkt drei, das Klima. Wenn Markus also auf den Berg vor dem Fenster schaut und nichts als Schnee sieht, seh ich auf den Campus und hab Magnolien in voller Blüte. Oder japanische Kirschblüten im Golden Gate Park. Oder ich hab vor meinem Haus Osterglocken, an denen die Kolibris schnäbeln. Das klingt jetzt ein bisschen unrealistisch, ich weiß, aber es ist wahr! Nach den Weltuntergangsfluten, die hier im Januar runtergekommen sind, ist hier eindeutig Frühling. Her mit der Sonnenbrille!

Und zum Schluss schreibt er über Abschied nehmen und die Leute, an die er sich so gewöhnt hat in der Zeit. Also bei mir ist es zwar noch nicht so weit, dass ich Freunde in den Rest der Welt verabschieden musste. Aber geben wirs zu, natürlich denken wir auch daran. In diesem Sinne hab ich auch schon einen Termin in Kalabrien. Eine ganz andere Sache ist aber das „Gewöhnen“. Ich befinde mich offensichtlich in einem Schwebezustand, indem meine Amerikanisierungsversuche von unausradierbaren europäischen Einflüssen unterminiert werden. Wie schon einmal versichert, kann ich ganz hervorragendes Amerikanisch. Meistens zumindest. Komme da ein Brite dazwischen und alles ist dahin. Oder ich laufe in einer undefinierbaren, sonst unauffälligen Gruppe neben dem Schweden durch die Stadt und sofort ist klar – die können nich von hier sein. Oder die Musikwünsche an den DJ. „Wie? Mando Diao? Wer sind the Kooks? Nein, ich habe noch nichts von den Ting Tings gehört. Wer soll das sein?!“ Vorgestern ist mir allerdings ein Coup an Anpassung gelungen, der nun wirklich perfekt war. Ich habe mich überwunden und die Schwelle übertreten. Endlich. Ich habe mir einen Hoodie gekauft, auf dem BERKELEY steht. Und Shorts, da steht Cal drauf. Und einen coffee-to-go-Becher mit dem Unilogo. Und mit allem zusammen bin ich dann über den Campus spaziert. Totaaaal integriert aber wahnsinnig erhebend.

2. Halbzeit

20. Januar 2010

Es macht sich derzeit eine Erkenntnis breit, welche mir einerseits ein bisschen schwer ums Herz werden lässt, mich andererseits überrascht und wieder anders auch ganz hibbelig macht – die zweite Halbzeit an der Westküste wurde soeben angepfiffen.  Genau heute in vier Monaten ist mein Studium in Berkeley zu Ende.

Ums Herz wird mir schwer, wenn ich daran denke, dass ich aus dem sonnigen Leichtleben Kaliforniens raus muss;  dass ich  Berkeley, Hassliebe des Metropolen gewöhnten Europäers, den Rücken kehre im Tausch gegen einen Einblick in die großen Weiten der Welt und nicht schließlich auch weit, weit weg muss von San Francisco, der goldenen Stadt der Freiheit, des Glücks und der Träume. Überraschend kommt das Ganze weil ich hier eine wunderbare Zeit verbracht habe und im Traumtänzeln natürlich den kleinsten Teil damit vertan habe, mir um selbige Gedanken zu machen. Es ist nicht alles so gekommen, wie ich mir das in meinen Seifenblasenträumen ausgemalt hatte. Einige Dinge waren einfach nicht drin, wie die Ruderer im Morgennebel, die sich bei dem Klima wahrscheinlich einfach nicht gut machen. Oder die Vorstellung von Berkeley als Kleinod authentisch und mit Stolz konservierten Rebellentums früherer Jahrzehnte. Daneben gab es aber viele Dinge, die ich mir nicht so genau vorgestellt hatte, aber glücklich darüber bin, wie sie gekommen sind. Freunde aus den verschiedensten Ecken der Welt zählen hier mit rein genau so wie die Möglichkeit, ganz fernab von allem Gewohnten plötzlich aufzuwachen und sich dessen bewusst zu sein, ganz frischen Wind um die Nase zu haben.

Wenn ich daran denke, was genau ich erwartet oder nicht erwartet habe und was anders ist und was nicht oder was hätte sollen, können und müssen, verschwimmt alles in einem Einheitsbrei, dessen Details ich natürlich nicht mehr so wahrnehme wie am Anfang und stattdessen zur Selbstverständlichkeit geworden sind. In diesem Sinne werfe ich hier mal diverse Schnappschüsse wild durcheinander.

Platz Nummer eins: Kalifonier sind freundlich. Das ist an sich eine ganz wunderbare Sache, die einen anfangs völlig perplex aber euphorisch setzt wenn man von wildfremden Menschen einfach so angestrahlt wird, dann einem ziemlich auf die Ketten geht da es anscheinend keinen vernünftigen Grund gibt für dämliche Dauergrinserei und man versucht, dezent dagegen zu kontern, und dann einfach ganz wunderbar ist, sobald man sich drauf einlässt. Ich wurde zwar mal (vollkommen ernsthaft!) gefragt, ob Deutsche lächeln, aber das muss eine wirklich schlimme Ausnahme an blöder Frage gewesen sein und ich glaube, dass ich hier ins Bild passe.

Im gleichen Atemzug sind selbst die unschuldigen Kalifornier vergleichsweise oberflächlich und unzuverlässig. Nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, aber es reicht.

Nein ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kein Wort. Absolut nicht.

Ich kann immernoch nicht surfen. Muss dieses Semester angefangen werden! Genauso wie das Vollmondsegeln auf der Bay mit Sicht auf San Francisco, is ja klar. Das lässt sich vergleichsweise leicht einrichten. Von einer Riesenportion Glück ist allerdings abhängig, ob ich im Glockenturm Carillon spielen darf – an dieser Stelle Daumen drücken!

Ganz besonders freue ich mich auf den Luxus eines eigenen, abschließbaren Bades.

Allergrößtes und am meisten vermisstes Vergnügen wird es sein, ausgedehntst auszugehen. Mal wieder sich um Mitternacht loszumachen statt dann schon wieder auf dem Weg Richtung Wohnung zu sein. Auch ganz wichtig weil hier nich zu haben ist ein gepflegter Bass.

Amerikaner tanzen übrigens komisch.

Vermissen werde ich Erdbeeren im Winter und Orangen vom Nachbarbauer. Nicht vermissen werde ich dagegen Erdnussbutter. Mit oder ohne Stückchen, is mir völlig egal, des is nich. Zeit wird es für richtigen Käse und einen gepflegten Kaffee statt zehn refills.

Sich ein Zimmer zu teilen ist nicht so schlimm wie befürchtet. Aber Robert schnarcht.

Unwiederbringlich sind die amerikanischen Profs. Wer hier Kurse besucht hat, braucht keinen Stefan Raab. Genauso wird es wohl keine ähnlich gut bestückte Bibliothek geben, in der man sich verlaufen könnte und Bücher zu wirklich jedem Thema findet (Hat schon mal jemand über die Demokratie gefährdende Wirkung der Tourismusindustrie auf Hawaii nachgedacht?).

Trotzdem ein Hoch auf das staatliche Unisystem Europas, in dem eine Finanzkrise nicht zu einer ähnlich unfassbaren Kürzung des eigentlich umwerfend vielseitigen Kursangebotes geführt hat, die mich gerade in den Wahnsinn treibt. Zum Glück aber ist der beirut game Kurs nicht von der Budgetkürzung betroffen.

Staatliche Förderung lernt man erst dann richtig schätzen, wenn man sie nicht hat – eine Krankenversicherung, die was abdeckt, öffentlichen Nahverkehr, der pünktlich ist und Bildung, die bezahlbar bleibt. Hier werden sich über knappe neun Prozent Mehrwertsteuer aufgeregt. Wenns um die Diskussion geht, stehn der Schwede und ich da wie Spinner.

Der Schwede ist der erste seiner Art, den ich je getroffen habe. Aber den Ahaeffekt hatte ich ziemlich oft in den letzten Monaten. In einem entsprechend internationalen Umfeld war ich noch nie und es ist herrlich! Dabei merkt man aber auch ganz deutlich, dass die Welt nicht so globalisiert ist, wie  befürchtet – und das ist auch herrlich!

Fehlen wird mir die Aussicht auf die Golden Gate Bridge direkt aus dem Fenster.

Das die Gedanken der ersten Hälfte. Wir schaun, was in der zweiten dazu kommt.

It never rains in California

11. Dezember 2009

Glatte Lüge! Was dem Albert da die Sicht aufpoliert hat, werden wir wohl niemals rausfinden. Jedenfalls war die ganze Woche hier schon grau, heute gießts aus Kannen. Gäbe es ein Museum in Berkeley, wär das die perfekte Beschäftigung. Gibts aber nich. Nun ja. Mittlerweile ist das Semester geschaukelt und nun kann Anna auch über den Kurztrip in den Norden berichten.

Also, was macht man in Seattle? Auf jeden Fall Kaffee trinken. In der Stadt, die Starbucks hervorgebracht hat, ist das wohl unvermeidlich. In der Tat ist Seattle bei all dem Regen das ganze Jahr über wohl einer der perfekten Orte, um sich in eines der originellen und niedlichen Cafés zu setzen und einen Kaffee nach dem anderen zu schlürfen. Ordentlich mit Koffein amüsiert gings dann auch weiter in der Klischeetüte. Die Space Needle ist überhaupt gar nicht so hässlich, wie immer behauptet wird.  Eigentlich sieht sie sogar ganz cool aus. Passt auch insgesamt ins spacige Stadtbild, das einen doch prompt an Futurama erinnert. Irgendeine Mischung aus Glas, viel Glas, überirdnen Speedways und unvorhersehbarer Architektureinfälle macht die Stadt sofort sympathisch. Warum weiß ich auch nich, aber mir huschte des öfteren der Gedanke durch den Kopf, doch für ein Jahr dort zu leben. Müsste schön sein in einer Stadt voll vieler niedlicher, individueller, alternativer und überraschender Ecken, so direkt am Pazifik, mit Blick auf die Olympic Mountains (Schnee!!!). Weiß auch nicht wirklich, was den Curt hier so depressiv hat werden lassen. Dessen Gitarre haben wir übrigens gesehn. Und die Von Jimi Hendrix. Uij!

Zu Thanksgiving war die Stadt natürlich wie leer gefegt. Die Vegetarier unter uns haben die Auswahl zwischen Truthan und Seafood mit Cosmopolitains ausgeglichen. Aber auch das hat nichts daran geändert, dass die Musik in Seattle der in Berkeley in nichts nachsteht. Sprich – nich grade überzeugend. Ich wollte ja in diesen Jazzclub, aber nein. Die angesagtesten Clubs im Norden zeichnen sich auch hier durch überaus hinterfotzige Andockmusik oder DJs aus, die Frank Sinatra mit House zu mixen versuchen, was natürlich in die Hose gegangen is. Ein Glück sind wir mit italienischem Reiz kostenlos reingekommen. Den nächsten freien Eintritt hat uns Annas absolut unbeindruckter Berliner Charme gesichert. War aber auch nich viel anders.

Aber da sind wir schon in Vancouver. Leider is die Stadt meiner Meinung nach überhaupt nich mit Seattle zu vergleichen. Sie scheint eher gebaut statt gewachsen und fragt man, was der typische Vancouverianer so in seiner Stadt macht, wird einem empfohlen, in die Parks zu gehn. Okay. Parks hab ich auch anderswo und außerdem wars verdammt kalt. Also musste ne andere Beschäftigung her. Was liegt am nähesten? Richtig – Bier. Hat man einmal die Grenzen des Landes mit dem wahrscheinlich schlechtesten Bier der Welt hinter sich, wartet die Belohnung mit Maple Cream Ale, Honey Lager oder Pumpkin Ale in der Granville Mikrobrauerei. Oder Kokanee. Oder mehrere. Sehr zu empfehlen. Das ist dann auch das Einzige, das mir aus Kanada an Erzählenswertem in Erinnerung geblieben is. Schade.

Zum Trost wartet ja jetz aber noch Warsteiner in meinem Kühlschrank. Danke Mädels.

pffffffffffft II

25. November 2009

So, Freunde des guten Geschmacks, es ist wieder so weit – ich bin weg!

Das Semester is geschaukelt und bevor die ultimative Hausarbeit über meine Version des Weltrettens ruft, wird dem Alltag noch einmal entflogen. Diesmal zieht es mich in den Norden. Es warten 5 Tage Mädelsurlaub in Seattle und Vancouver. Fünf Tage deutsch-italienischer Roadtrip mit jeder Menge Spiel, Spaß und Spannung. Wir dürfen gespannt gewesen sein.

Happy Thanksgiving!

ein Nachmittagskonzert

20. November 2009

Vielleicht doch ein wenig zu euphemistisch, um das zu beschreiben, was in den letzten drei Tagen in Berkeley los war. Ach was sag ich, an allen 10 Campi der University of California. Es wird gestreikt.

Dass Kalifornien tief in der Finanzkrise steckt, hatte ich ja schon mal Anfang des Semesters angedeutet. Konkret fehlen Arnold $30 Billionen Dollar. In Folge dessen wurden dem Unisystem $813 Millionen gestrichen, UC fehlen somit $139 Millionen im Budget. Und wie holt man das wieder rein? Ist doch klar, man streicht das Kursangebot massivst, feuert knapp 2.000 Angestellte und streicht 1.600 Neueinstellungen, die Bib macht merkbar früher zu und teilweise nötige Renovierungsarbeiten werden ausgesetzt. Gleichzeitig ist aber auch Geld da, den Glockenturm für ein paar mehr Millionen zu verschönern. Die letzte Hiobsbotschaft war die angekündigte Anhebung der ohnehin schon zum Himmel schreienden 10.000 Studiengebühren pro Jahr um 32%.

Das war dann zu viel. Am Mittwoch haben sich also knapp 5.000 Berzerkeleyaner zu einem Stadtspaziergang versammelt, der die Stadt lahmgelegt hat. Nach wirklich dramatischen Reden auf Sproul Plaza war die Stimmung heiß genug, den Ärger in die Stadt zu tragen. Dort haben wir auch gleich mal das Berkeley City College besetzt. Inzwischen kamen schon die Nachrichten von den ersten Verhaftungen in L.A., wo sich die Unileitung versammelt hatte, über den neuen Masterplan abzustimmen. Wieder zurück auf dem Campus wurde das Verwaltungsgebäude bestreikt.

Der guten Protesttradition Berkeleys treu, blieb alles sehr laut, aber doch friedlich. Und sogar kreativ. So bestand der Protest gestern darin, Müll vor den Hauptsitz der Verwaltung abzuwerfen, die sich in das Gebäude eingeschlossen hatte. Und was dabei zusammengekommen ist bei einem so großen Campus wie Berkeley, kann man sich ja vorstellen. Auch wird hier eher rhythmisch Dampf abgelassen statt aggressiv zu werden.

Das ist dann doch erstaunlich ist angesichts dessen, dass ein Bachelorstudium bisher etwa $50.000 kostet. Und das nur für Kalifornier. Amis aus anderen Staaten zahlen das Doppelte, internationale Studenten sind mit $30.000 pro Jahr dabei. Masterstudenten wie Katherine zahlen $50.000 pro Jahr. Damit ist natürlich noch kein Cent für horrende teures Wohnen drin. Die meisten Studenten müssen Kredite aufnehmen, um sich eine Universitätsausbildung leisten zu können und/oder nehmen sich ein Semester frei, um in der Zeit irgendwie das Geld zusammenzukratzen. Wer den Master haben will, hat reiche Eltern oder muss sich was überlegen.

Mit der Nachricht, dass die Studiengebühren gestern doch angehoben wurden, gehts aber jetzt erst richtig los. Eines der größten Unigebäude wurde in der Nacht besetzt, das Polizeiaufgebot massiv aufgestockt, um die Leute rauszukriegen und noch mehr Studenten zusammengetrommelt, um wiederum die Polizisten davon abzuhalten. Strömender Regen hat niemanden abgehalten, zumal auch deshalb nicht, weil von drinnen die Nachricht kam, es sei Tränengas und Gewalt angewandt worden, statt wie vereinbart zu verhandeln.

Es ist jetzt früher Abend, die Polizeisirenen kann man heulen hören und über der Stadt kreisen die Hubschrauber. Ich werd noch mal spazieren gehn.

sogar der Weihnachtsmann war da

2. November 2009

Ja, auch der hat sich Halloween im Castro nicht entgehen lassen!

Zugegebenermaßen wollte das Verkleidungsfieber erst nicht ganz zuschlagen. Auch deshalb nicht, weil sich langsam der Eindruck breitmachte, man würde nur auf Ms. Bootylicious´s und Mr. Dick Amazings treffen. Zumindest war das das Motto der wohl größten Party im Staat, in Santa Barbara. Aber es sollte grandios werden.

Der wohl richtigste Ort um Hallowen zu verbringen ist das Castro. Sowieso immer ein bisschen ab vom Schlag hat sich das Viertel noch mehr in Schale geschmissen und war nun wirklich voll von wunderbaren Kostümen. Neben den zu erwartenden Drag Queens zu Hauf waren dieses Jahr auf jeden Fall Feen im Trend, meist schwule. Superman und Robin durften am Harvey Milk Plaza natürlich auch nicht fehlen. Genausowenig wie Prinzesschen. Also reingeschmissen ins Getümmel und Kostüme gucken! Ein bisschen hatten Beatriz und ich ja wirklich gezweifelt, wie wir als Supremes denn durchgehen würden – darf man sich als Schwarze verkleiden? Aber „I like your Afro!“ und Blitzlicht alle paar Minuten haben dann doch dagegen entschädigt, nicht als Hummel gegangen zu sein.

Das hat sich dann auch bei der Neunzigerparty als gut erwiesen. Die Hummel hätte auf keinen Fall so abgefahrene moves hingekriegt. Gott hab ich lange nicht mehr so gut getanzt! Denn zugegebermaßen ist gute Musik finden in Berkeley ziemlich schwer. Leider ist mit Abhotten aber auch ab maximal zwei Schluss, dann werden in San Francisco die Bürgersteine hochgeklappt. Warum versteh ich bis jetz noch nich. Wenn die wüssten, was sie verpassen! Die Supremes hätten noch lange gekonnt.

 

Keep Santa Cruz weird!

19. Oktober 2009

Wie gesagt war ich übers Wochenende in Santa Cruz. Was für schöne zwei Tage!

Der ideale ort für Surfer, Althippies, Romantiker und Langsamtreter liegt glücklicher Weise nur gute zwei Stunden von Berkeley entfernt. Und je weiter sich der Greyhound-Bus die Kette der hoffnungslos ausgefransten und miteinander verwachsenen Städte entlang schlängelt, desto näher kommt man der Sonne. Wenn die dahingegossenen gleichförmigen Orte, voneinander nur zu unterscheiden durch die Schilder, die die Namen verkünden langsam dünner werden, fährt man durch seichte Hügel, bewachsen von bizzarr verformten Zypressen, und später durch dichte Sequoiawälder. Schon dieser Wandel kündigt an, dass Santa Cruz ganz anders ist als Nordkalifornien.

Als ich aus dem Bus stieg, wehte mir gleich die salzige Meeresbrise um die Nase. Und sofort war ich umgeben von Surfbrettern und super entspannten Leuten. Nach einem Abstecher in ein original amerikanisches Diner sind Vero und ich denn auch gleich an den Strand. Ja, der Pazifik ist kalt. Aber war das wunderbar, an der Küste entlang nach Osten zu laufen, die Sonne im Rücken, die Seehunde auf den Boien und die Wellen um die Füße! Das Meer war selten blau und einfach nur herrlich. Der Boardwalk, ein verträumter Rummel aus den Siebzigern, liegt auch direkt am Strand, zusammen mit einem verlassenen Leuchtturm nebenan gleich hinter dem Segelboothafen. Allein dieser Ausschnitt der Stadt macht sie zum idealen Ort, ein paar freie Tage einfach nur zu verdösen, sich, so man es kann, auf sein Brett zu schwingen und in die Wellen zu stürzen und weiter nichts zu tun, als sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Läuft man dagegen nach Westen, kommt man zu den Natural Bridges. Jeder kennt bestimmt die Bilder von diesen Steinwällen, die die Wellen in Jahrtausende langer Geduld in der Mitte ausgehölt haben. Auch hier gibt es Seehunde und Albatrosse und man kann wohl Stunden lang nur dort liegen und die Atmosphäre genießen. Gerade ist im Nationalpark Schmetterlingssaison aber leider reichte die Zeit nicht, sich das von Nahem anzusehen. Aber das macht nichts, denn der Westweg an der Küste entlang entschädigt für alles. Die Klippen sind bewachsen von Kakteen und Eukalyptus, der Blick übers Meer wandert nach Monterey und ab und zu huscht ein Kolibri vorbei. Herrlich.

Warum nun Santa Cruz weird ist, hab ich in der kurzen Zeit nicht mitbekommen. Vielleicht reicht es, dass es von Aussteigern und Studenten bevölkert ist, dass es Fraternities und deren Schnickschnack dort keine Chance haben und dass alle zu machen scheinen, was ihnen gerade in den Kopf kommt, vor allem aber das Meer genießen. Vielleicht krieg ich das in meinen nächsten Monaten im Sonnenstaat noch genauer raus, denn Santa Cruz gehört zu den wenigen Orten, die ein bisschen perfekt sind.